Integrative Medizin: Sonia Mikich, Daniel Bahr und die Ökonomisierung von Medizin- und „Medienindustrie“

Von Claus Fritzsche | 15.Mai 2013

Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Sonia Seymour Mikich präsentierte der Öffentlichkeit soeben ihr neues Buch „Enteignet: Warum uns der Medizinbetrieb krank macht“, eine Art Kampfschrift gegen einen industriell organisierten Medizinbetrieb, der seine Seele verloren und seine Ziele – die Heilung und Gesundung von Menschen – nicht mehr im Fokus zu haben scheint. Am 5. Juni treffen sich die Gesundheitspolitiker MdB Karin Maag (CDU), MdB Eberhard Gienger (CDU), MdB Dr. Peter Röhlinger (FDP) und MdB Biggi Bender (Bündnis 90/Die Grünen) zu den 8. Komplementärmedizinischen Gesprächen in Berlin. Ihr Thema „Komplementärmedizin – Wunsch und Wirklichkeit“ hat auf den ersten Blick nicht viel mit Mikichs Buch zu tun. Wer genauer hinschaut, der findet jedoch verblüffende Parallelen. Wie sich große Teile der Bevölkerung eine Medizin vorstellen, in welcher der GANZE MENSCH im Mittelpunkt steht, das hat sehr viel mit dem Konzept der „Integrativen Medizin“ zu tun, wie es z. B. Gesundheitsminister Daniel Bahr am 4. März im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke erlebt hat und wie es die 4. Sommerakademie für Integrative Medizin Studierenden vermittelt. „Integrative Medizin“ findet in den Medien wenig Beachtung, obwohl genau dieses Konzept Mikichs „Problem“ lösen könnte. Das wiederum hat sehr viel mit den politischen Mechanismen und der Ökonomisierung in der „Medienindustrie“ zu tun, zu der auch Sonia Mikich gehört. So gesehen ist sie vielleicht sogar ein zentraler Teil ihres eigenen Problems.

Abbildung: Was hat Gesundheitsminister Daniel Bahr mit Sonia Mikichs Buch „Enteignet“ zu tun? Wie sich modernste Medizin und eine den GANZEN MENSCHEN betrachtende sog. Integrative Medizin vereinen lässt, das demonstriert das Gemeinschaftskrankenhaus Witten Herdecke, welches Herr Bahr am 4. März besuchte. - Foto: www.fdp-fraktion.de
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BR und 3sat über die Homöopathie, Quantenphysik im Handelsblatt und was das mit Medizinforschung zu tun hat.

Von Claus Fritzsche | 29.April 2013


Das muss mir mal jemand erklären. Warum wird das Für und Wider der Homöopathie nach wie vor intensiv debattiert, wenn doch klar ist, dass es sich um ein Surrogat handelt, welches Patienten das Gefühl vermittelt, „selbst aktiv“ werden zu können (→ Jutta Hübner bei SPIEGEL ONLINE), wie das speziell bei Kleinkindern aber auch bei Schweinen und Rindern (selbst hier zeigen sich immer wieder unübersehbare therapeutische Erfolge) der Fall sein soll. Warum senden der BR und 3sat zwei Homöopathie-Dokumentationen, die sich hinsichtlich ihrer Kernaussage komplett widersprechen? „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ (3sat, 21.03.2013) ließ die Homöopathie nicht gut aussehen. „Homöopathie – Medizin oder Mogelpackung?“ (BR, 22.04.2013) demonstrierte nur einen Monat später genau das Gegenteil. In beiden Fällen haben Redaktionen einen Film im Sinne ihrer eigenen Überzeugung zurechtgeschnitten, mal mit negativem mal mit positivem „Spin“. Wer sich jetzt auf die Suche nach „guten“ oder „schlechten“ Journalisten macht, der rennt möglicherweise bis zur Erschöpfung durchs Hamsterrad und dreht sich dauerhaft im Kreis. Wie sich der Gordische Knoten lösen lässt, dass erläuterte kürzlich der Ökonom Edward Fullbrook in einem Gastkommentar des Handelsblatt.
 „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ (3sat, 21.03.2013) und  „Homöopathie – Medizin oder Mogelpackung?“ (BR, 22.04.2013)
Medienkompetenztraining: Gleiches Thema, jedoch diametral entgegengesetzte Botschaften. „Homöopathie – Medizin oder Mogelpackung?“ (BR, 22.04.2013) und  „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ (3sat, 21.03.2013).
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Bilanz von Dr. Henning Albrecht: die Entwicklung der Komplementärmedizin in Deutschland. Viel Erfreuliches aber auch ein Armutszeugnis der Politik.

Von Prof. Harald Walach | 25.März 2013


Die Essener Karl und Veronika-Carstens Stiftung ist in Deutschland die größte Stiftung, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1982 um die wissenschaftliche Durchdringung der Komplementärmedizin und um eine solide Information der Öffentlichkeit durch den mir ihr assoziierten Verein „Natur und Medizin“ bemüht. Ihr Geschäftsführer, Dr. Henning Albrecht, ist in Deutschland der Mann der ersten Stunde, der praktisch alle wesentlichen Initiativen um die Komplementärmedizin kennt und mit begleitet hat. Er hat jetzt in der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“, die ich seit einigen Jahren als Chef-Herausgeber betreue und die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, Bilanz gezogen. Die Bilanz ist stolz und gleichzeitig auch wehmütig.

Abbildung: Henning Albrecht zur Lage der Komplementärmedizin in Deutschland,  www.carstens-stiftung.de, 05.03.2013
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Rezension zu Werner Bartens „Haltet mal die Luft an“. Mehr Qualität im SZ Wissenschaftsressort ist möglich.

Von Magdalena Unger | 19.März 2013


„Atemseminar, Rückenschule, Entspannungskurs: In der Therapiegesellschaft lernen wir immer mehr über unseren Körper – nur leider verlernen wir dabei das Leben “, meinte Werner Bartens in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 9./10. Februar 2013. „Haltet mal die Luft an“, so der Titel seines Beitrags, dessen Text dezent ins SZ-Archiv abgeschoben wurde. Der Artikel liest sich gut, entlockt mir das eine oder andere Schmunzeln. Er passt allerdings auch gut in die Reihe „inszenierter Geschichtchen“, die Claus Fritzsche im Neuraltherapie.Blog zusammengestellt hat.

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Wiki-Watch: Co-Initiator wirft Markus Grill Medienmanipulation vor. Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Stock (Teil 2)

Von CAM Media.Watch | 11.März 2013

Im Sommer 2011 berichteten SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE in insgesamt fünf Beiträgen über angebliche „Manipulation“ und angebliches Fehlverhalten von Prof. Dr. Wolfgang Stock im Zusammenhang mit Wikipedia und dem Projekt Wiki-Watch. Stock habe Wikipedia-Artikel „zu Gunsten der Pharmaindustrie“ manipuliert, so ein Vorwurf von Markus Grill (1) und Stocks Erklärung, „nicht unter dem Namen ‚Investor‘ Wikipedia-Artikel zugunsten des Pharmariesen Sanofi-Aventis verändert zu haben“ würden angeblich „immer unglaubwürdiger“ wirken (2). „Unter verschiedenen Nutzernamen Einträge in Wikipedia zu bearbeiten wäre ein schwerer Verstoß gegen die Regeln des Online-Lexikons“, fabulierte Markus Grill (3). Heute, bald zwei Jahre später, ist von den vielen Vorwürfen, Mutmaßungen und Verdächtigungen des investigativen Journalisten nicht viel übrig geblieben. Als die Europa-Universität Viadrina am 7. September 2011 meldete (4), dass die von diversen Medien gegenüber der Arbeitsstelle Wiki-Watch erhobenen Vorwürfe „nachweislich falsch“ seien, ließ das journalistische Interesse sprunghaft nach. Drehte sich der erste Teil des Interviews noch um falsche Verdächtigungen, so erläutert Prof. Wolfgang Stock im zweiten Teil die möglichen Motive von Markus Grill. Der langjährige Journalist und Initiator der Video-Podcasts von Bundeskanzlerin Angela Merkel bewertet die SPIEGEL-Darstellungen als Medienmanipulation, d.h. als gezielte „einseitige und/oder verzerrte Darstellung von Fakten“ mit egoistischem Motiv.

Screenshot: Inzwischen geraten Markus Grill und der SPIEGEL in Erklärungsnot. Prof. Stock wirft Markus Grill Medienmanipulation vor. Siehe hierzu auch das Blog Faktencheck „Markus Grill“.
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Jobst Spengemann: ZDF-Sendung mit weitreichenden Folgen für SPIEGEL-Redakteur Markus Grill

Von Claus Fritzsche | 3.März 2013

Ein fast zweijähriger Rechtsstreit zwischen SPIEGEL-Verlag und dem Journalisten Jobst Spengemann nähert sich seinem Ende und könnte für SPIEGEL-Redakteur Markus Grill weitreichende berufliche Konsequenzen haben. Worum es geht, das habe ich gestern in einem neuen Faktencheck-Blog über Markus Grill berichtet: „Zwei Unternehmer versuchen, einen sie belastenden Kronzeugen unschädlich zu machen. Die Frontal21-Autoren Christian Esser und Jobst Spengemann dokumentieren das mit versteckter Kamera. Ein Pharma-Händler wird unmittelbar nach der Sendung verhaftet“ (1). Markus Grill schreibt anschließend über einen der beiden Frontal21-Autoren: „… inzwischen gibt es Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Autors, Jobst Spengemann. Denn der … hat früher selbst ähnliche Kampagnen gegen Pharmakritiker mit geplant.“ (2). Diese schwer rufschädigende Tatsachenbehauptung hat einer gerichtlichen Prüfung über mehrere Instanzen bisher nicht standgehalten. Verkündet das Kammergericht Berlin am 22. April 2013 um 12:00 Uhr ein Urteil, welches genau dem entspricht, was es in seiner letzten Sitzung am 25.02.2013 schon angedeutet hat, so könnten die Tage von Markus Grill als SPIEGEL-Redakteur und 2. Vorsitzender des Netzwerks Recherche e.V. gezählt sein … [mehr ...]
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Abbildung: Abspann eines Frontal21-Beitrags von Christian Esser und Jobst Spengemann.
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NEU: „Working Class Acupuncture“ in Berlin Kreuzberg. Mehrbett-Akupunktur sorgt für niedrigere Preise. Interview mit Akupunkturtherapeut Roland Beißel.

Von CAM Media.Watch | 25.Februar 2013

Am 1. Februar 2013 eröffnete in Berlin Kreuzberg die nach eigenen Angaben erste Akupunkturpraxis in Deutschland, die sich konzeptionell an die im englischsprachigen Raum bereits weit verbreiteten „Multibed Acupuncture Clinics“ anlehnt. Das von BERLINAKUPUNKTUR umgesetzte Modell bietet bei einer Vielzahl von Beschwerden zunächst eine individuelle Diagnose und anschließend eine Akupunkturbehandlung zu einem Preis, der laut Initiator Roland Beißel auch für Menschen mit geringem Einkommen erschwinglich sein soll. „Dabei darf der Patient, bei einer Untergrenze von 17 Euro, selbst entscheiden, wie viel Geld pro Sitzung er für seine Behandlung zahlen kann und möchte.“ Möglich werden diese Preise, weil bis zu sieben Patientinnen und Patienten gleichzeitig behandelt werden. Bei welchen Beschwerden ist eine Akupunkturbehandlung sinnvoll, bei welchen eher nicht? Mehr dazu im folgenden Interview mit Heilpraktiker und Diplom-Akupunkteur Roland Beißel.

Abbildung: In Großbritannien gibt es bereits 70 Akupunkturkliniken, in den USA Hunderte, die sogenannte „Community Acupuncture“ anbieten. BERLINAKUPUNKTUR realisiert das Modell nun auch in Deutschland.
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AMNOG: AkdÄ sieht Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes positiv. (→ Prof. Dr. Bernd Mühlbauer)

Von CAM Media.Watch | 15.Februar 2013

Bundesärztekammer: „Zwei Jahre nach In-Kraft-Treten sieht die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) im Grundsatz positiv. Der Gesetzgeber hat die AkdÄ bei der frühen Nutzenbewertung als stellungnahmeberechtigte Organisation benannt. Prof. Dr. Bernd Mühlbauer, AkdÄ-Vorstandsmitglied, verwies während einer Tagung darauf, dass die bisherigen Stellungnahmen der Arzneimittelkommission Einfluss auf die Beschlüsse des gemeinsamen Bundesausschusses gehabt hätten.“
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Video: 37. Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer: „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“, 2013.
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#Aufschrei und die Rolle der Medien: Über „Gatekeeping“, Sexismusdebatte und einen konstruktiven Umgang mit dem Web 2.0.

Von Claus Fritzsche | 10.Februar 2013

„Der #Aufschrei ist eines der größten deutschsprachigen Twitter-Ereignisse“, stellte SPIEGEL ONLINE am Freitag fest. Eigentlich kein Thema für dieses Blog, in dem es um Medizin, Wissenschaft und Medien geht. Wird die SPON-Meldung „#Aufschrei führt zu Twitter-Rekord“ an dieser Stelle trotzdem aufgegriffen, so liegt das an einem interessanten Phänomen. Die von Anne Wizorek in der Nacht zum 25. Januar per Twitter-Hashtag #Aufschrei ausgelöste Sexismusdebatte zeigt sehr schön, was Sozialwissenschaftler unter sog. „Gatekeeping“ verstehen. Ob Medien über eine öffentliche Debatte berichten und sie damit zusätzlich befeuern, das hängt zu großen Teilen auch davon ab, was mediale Gatekeeper subjektiv und selektiv als relevant einstufen. Was sind 49.000 Tweets und 30.000 Retweets schon im Vergleich zu bisher 874.000 Unterzeichnern der AVAAZ-Initiative „EU: Retten Sie pflanzliche Arzneimittel“ und 121.819 Unterzeichnern einer Online-Petition zum gleichen Thema? Auch wenn diese Initiativen hinterfragungswürdig sind, so zeigen sie doch, welchen großen Unterschied es zwischen gesellschaftlicher und medialer Relevanz geben kann. Die gute Nachricht lautet: An der Schnittstelle zwischen Web 2.0 und Medien können beide Seiten eine wertvolle und konstruktive Rolle spielen.

„So versext sind die „Stern“-Titel“ (Focus Online, 04.02.2013)
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Gesundheitsrisiko Beipackzettel: Werner Bartens über Noceboeffekte und die (negative) Wirkung der Bedeutung.

Von Claus Fritzsche | 30.Januar 2013

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt besser nicht. Denn wenn Sie ihn falsch verstehen, könnte das tödlich enden.“ So beginnt ein Artikel von Werner Bartens im SZ Magazin (Heft 04, 2013), der vielleicht ein wenig theatralisch eingeleitet wird, von mir jedoch das Prädikat „besonders wertvoll“ erhält. Das Phänomen (Placebo- und) „Noceboeffekt“ ist ein beliebtes Thema in Publikumsmedien. Magnus Heier schilderte 2009 in der F.A.Z. einen Fall versuchten Selbstmords, der auf der Intensivstation endete, obwohl unwissentlich Placebotabletten eingenommen worden waren. Tragische Fälle dieser Art sind vermutlich extrem selten. Was Werner Bartens im SZ Magazin über die negative „Wirkung der Bedeutung“ (Moerman, Jonas) schildert, dürfte hingegen eine relativ hohe praktische Relevanz haben – für Patienten, für Ärztinnen und Ärzte, für Sie und mich. „Amerikanische Psychologen konnten zum Beispiel zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzschlag zu sterben, für Frauen dreimal so hoch ist, wenn sie glauben, sie seien besonders anfällig für einen Infarkt“, schreibt Bartens. Noceboeffekte wurden in der Medizin lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Die moderne Neurowissenschaft lehrt uns nun, sie ernst zu nehmen – so ernst wie auch die therapeutisch nützlichen Placeboffekte, mit denen sich in der vergangenen Woche namhafte Forscher in Tübingen befassten.

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Bias trotz Peer-Review: David Martin Shaw in der „Swiss Medical Weekly“ (→„Swiss report on homeopathy“)

Von Prof. Harald Walach | 28.Januar 2013

Die Schweizer PEK-Kontroverse um die Homöopathie kommt in die nächste Runde. Gedanken zu einer überwiegend politisch beeinflussten Schein-Debatte.

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Ich wundere mich immer darüber, warum die Homöopathie, ein eigentlich belangloses Pflänzchen im medizinischen Urwald, so viel leidenschaftlichen Widerstand bei den Zeitgenossen erzeugt. Faktisch ist die Homöopathie wirtschaftlich nicht bedeutsam. Ihr Marktanteil wird auf unter 2 Prozent geschätzt. Vieles von dem, was Homöopathen tun, zahlen die Menschen aus eigener Kasse. Nirgendwo in den medizinischen Fakultäten stiehlt irgendein Homöopath einem konventionellen Kollegen die Butter vom Brot. Und dennoch wird kaum etwas so leidenschaftlich bekämpft von Kritikern, Skeptikern und selbst ernannten Aufklärern und Spezialisten wie die Homöopathie. Warum? Wenn wir uns die letzte Kontroverse rund um das Paper von David Martin Shaw ansehen, verstehen wir das – vielleicht – ein bisschen besser.
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Abbildung: Kritik von David Martin Shaw am Schweizer HTA-Report von Bornhöft und Matthiessen. Replik: Kritik an der Kritik – von Klaus von Ammon und Kollegen (Swiss Med Wkly. 2012, 2013).
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CAM-Ticker Nr. 4: Im Mediengeschäft wird die Luft dünner. Mehr „Boulevard“ wird die Probleme nicht lösen.

Von Claus Fritzsche | 20.Januar 2013


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Die Frankfurter Rundschau ist insolvent. Gruner + Jahr hat die Financial Times Deutschland eingestellt. Und auch die Spiegel-Gruppe muss sparen. Die Luft wird immer dünner – im Mediengeschäft.

Gab es in der Prä-Internetzeit relativ wenige Kanäle, die Leser und Leserinnen in ihren Bann zogen, so herrscht heute ein Hyperwettbewerb um Aufmerksamkeit. Das Internet heizt den Wettbewerb um Klicks, Leser und Lesezeit in einer Weise an, dass es scheinbar immer stärkerer Reize bedarf, um in diesem Umfeld noch wahrgenommen zu werden.
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Online-Ableger namhafter Medien begegnen dem Problem mit einer wachsenden Boulevardisierung. „Ihr seid ja kein Autoclub mehr, ihr seid ja ein Puff“ titelte Handelsblatt.com seinen Bericht über den ADAC im ARD-Markencheck. Bild.de hingegen blieb ganz sachlich und lieferte Qualitätsjournalismus.
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Starke Worte: Mathias Müller von Blumencron über Gabor Steingart, „Medienmann des Jahres 2012“

Von CAM Media.Watch | 17.Januar 2013

„Der Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers ist viel härter geworden. Das haben sie nicht nur beim Handelsblatt erkannt. Und nur die Kreativsten, die Emsigsten, die Glaubwürdigsten und die Relevantesten, denen wird es gelingen, neue Leser hinzuzugewinnen …

… Gabor Steingart hat die alte Tante Handelsblatt in ein Experimentierlabor verwandelt, in dem kein Tag wie der andere ist.“

Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron über Gabor Steingart, Gewinner des Horizont Awards 2013
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Foto: Mathias Müller von Blumencron und Gabor Steingart. Quelle: Thomas Fedra für Horizont
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Starke Worte: Meedia über die Wulffs bei Sueddeutsche.de und medialen Absolutismus

Von CAM Media.Watch | 10.Januar 2013

„Heute hat MEEDIA über eine – man kann es nicht anders nennen – journalistische Peinlichkeit bei sueddeutsche.de berichtet. Das Portal hatte sich ganz offensichtlich die von der Bild via Deutsche Presse-Agentur verbreitete Exklusivmeldung der Wulff-Trennung zu eigen gemacht und einfach den dpa-Quellenhinweis auf das Boulevardblatt durch “nach Informationen der Süddeutsche Zeitung” ersetzt. Doch statt entschuldigender Worte kontert die Redaktionsleitung mit Vorwürfen – gegen MEEDIA …

… Das alles riecht nach redaktionellem Chaos bei einer eiligen Publizierung der Breaking News, die durch die Republik fegte.“

„Meedia“ über die Wulffs bei Sueddeutsche.de

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Foto: Der Sturz des Phaeton von Peter Paul Rubens. Über den gescheiterten Versuch, für einen Tag den Sonnenwagen lenken zu dürfen. Bildquelle: Wikimedia Commons
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Starke Worte: „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe über die Wulffs in der „Bild“ und medialen Absolutismus

Von CAM Media.Watch | 9.Januar 2013

„Es war kein fairer Prozess. In diesem Gericht traten die Medien als Ermittler, Ankläger, Schöffen und Richter auf. In diesem Prozess gilt die Unschuldsvermutung nicht. Es gelten auch nicht die Verfahrensrechte: die geregelte Beweisführung, ein unparteiischer Richter, Rechtsbeistand, Akteneinsicht, der Unterschied zwischen Gerücht und Beleg sowie zwischen Hörensagen und Zeugenaussage …

… In der Aufmerksamkeitsökonomie gibt es keine Gnade. Wer die Medien reinlässt, wird von ihnen zwangsgeräumt.“

„Zeit“-Herausgeber Josef Joffe über die Wulffs in der „Bild“
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Foto: Ludwig XIV. – „der Sonnenkönig“. Höfischer Absolutismus: Der König führt die Regierungsgeschäfte, erlässt die Gesetze und ist zugleich oberster Richter. Bildquelle: Wikimedia Commons
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Linkliste „Der Wissenschaftswahn“. Rupert Sheldrakes „The Science Delusion“ ist in Großbritannien ein viel diskutierter Bestseller, berichtet FOCUS.

Von CAM Media.Watch | 5.Januar 2013

Droemer Knaur über „Der Wissenschaftswahn“ von Rupert Sheldrake: „Lässt sich die Welt rein mechanistisch erklären? Sehen wir uns selbst wirklich als genetisch programmierte Maschinen? Kommt das Bewusstsein tatsächlich aus dem Gehirn? Der berühmte Biologe Rupert Sheldrake beweist in seinem provozierenden neuen Werk, dass das materialistische Weltbild nicht mehr haltbar ist. Er zeigt anhand von zehn Dogmen der Wissenschaft, dass die meisten Forscher an Vorstellungen festhalten, die längst überholt sind. Sheldrake fordert ein neues, grenzüberschreitendes Denken und plädiert für mehr Offenheit und Neugier in den Naturwissenschaften.“

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Osteopathie im ZDF und bei SPIEGEL ONLINE. Britta Wagner & Heike Le Ker. „Medienkompetenz-Training“ im Web.

Von Claus Fritzsche | 1.Januar 2013

„Heilen mit den Händen“ titelt heute.de einen Neujahrs-Beitrag über Osteopathie. Was die freie Journalistin Britta Wagner hier berichtet, wirkt auf mich wie seriöser und professioneller Wissenschaftsjournalismus für Publikumsmedien: informativ, sachlich, leicht verständlich und politisch neutral. Bei SPIEGEL ONLINE hatte Redakteurin Heike Le Ker die gleiche Faktenlage am 13. Dezember 2012 hingegen wie folgend aufbereitet: „Osteopathie: Fragwürdige Heilmethode auf Rezept“ und mit einem negativen „Spin“ versehen. Mein erster subjektiver Eindruck, ohne die Studienlage in zeitaufwändiger Recherche geprüft zu haben: Von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen (z. B. Cinthia Briseño über Akupunktur) geht es der SPIEGEL ONLINE-Redaktion meiner Meinung nach in erster Linie darum, das Skandalisierungs-Potenzial einer Nachricht konsequent auszuschlachten, um die Klickzahlen zu erhöhen und so den eigenen Profit zu steigern. Glaubt man dem Planckton-Beitrag „Der falsche Stammzell-Skandal“ von Joachim Müller-Jung, so ist SPON-Redakteurin Heike Le Ker diesbezüglich schon früher negativ aufgefallen. Einen Aspekte finde ich erfreulich: Das Internet erleichtert Vergleiche wie jenen hier zur Osteopathie und schult so unsere Medienkompetenz.

Abbildung: Eine Nachricht, zwei Darstellungsweisen. Wie objektiv ist die Berichterstattung zu Gesundheitsthemen in Publikumsmedien?
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In eigener Sache: eine Zwischenbilanz des Blogprojekts CAM Media.Watch

Von Claus Fritzsche | 30.Dezember 2012


Am 31.12.2012 endet die über Sponsoringverträge geregelte „Anschubfinanzierung“ dieses Blogs. Grund genug, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen und Transparenz in eigener Sache zu praktizieren. Mit welchem Ziel ist CAM Media.Watch angetreten? Welche Inhalte dieses Blogs haben für ein „Mehr“ an Medien-Transparenz rund um CAM-Themen gesorgt? Welcher Beitrag wurde heiß diskutiert? Wo soll der Weg mittel- und langfristig hingehen? Herzlich willkommen zu einer ersten Zwischenbilanz in eigener Sache.

Abbildung: Fazit des mit EU-Mitteln geförderten Projekts CAMbrella: „Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) spielt eine wichtige Rolle in Europas Gesundheitswesen – aber es gibt zu wenig gesichertes Wissen“.
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