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CAM-Ticker Nr. 1: Wissenswertes aus Komplementärmedizin, Forschung und Medien.

Von Claus Fritzsche | 25.Oktober 2011


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„Vom Gebot zur alternativen Heilkunst“ lautet der Titel eines lesenswerten Artikels von Joachim Müller-Jung, Leiter des Ressorts „Natur und Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Müller-Jung fasst hier seine Eindrücke eines Besuchs des 4. Europäischen Kongresses für Integrative Medizin (ECIM) in Berlin zusammen und baut eine Brücke zwischen moderner Medizin und Komplementärmedizin.

Wie aber verbindet man zwei Welten, die so vieles trennt? Stilistisch wählte Müller-Jung das Gegenteil eines vergifteten Lobs. Seine Zeilen sind reich an verbalen Sticheleien. Aufmerksame Leser finden jedoch ebenso – subtil eingebettete – Argumente für die Idee der Integrativen Medizin:

„Was da sichtbar wurde, war vielmehr der beeindruckende Versuch zu erklären, warum es geradezu geboten ist, die positiven Effekte des nachweislich wirksamen Teils der Erfahrungsmedizin im Praxisalltag zu nutzen.“

Stabil ist die Brücke allerdings noch nicht. „Die Schulmedizin kann gut ohne“, schreibt der Plannckton-Autor einleitend. Na klar kann sie das – wenn auch zu einem hohen Preis. 70 Prozent aller Krankheitskosten in Industriestaaten gehen auf das Konto chronischer Erkrankungen. Hier liegt eine wichtige Domäne der Komplementärmedizin und hier können beispielsweise Krankenhäuser nicht wirklich „gut ohne“:

„Die können hervorragend operieren und einen Herzinfarkt kathetern, aber wenn jemand mit chronischen Rückenschmerzen, nicht mehr behandelbarem Bluthochdruck oder Rheuma kommt, dann haben die Krankenhäuser eigentlich kaum wirksame und nebenwirkungsarme Mittel dafür“, betont Prof. Andreas Michalsen in einer dpa-Meldung.

Geht es um chronische Erkrankungen, so profitiert die konventionelle Medizin – allen ideologischen Grabenkämpfen zum Trotz – auch von homöopathisch arbeitenden Ärzten. Das zeigt die Versorgungsforschung deutlich und das bestätigen Ärzte, die in einem ARD-Podcast von Silke Engel zu Wort kommen.

Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe des CAM Media.Watch CAM-Tickers mit Wissenswertem aus Komplementärmedizin, Forschung und Medien.
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CAM-Ticker Nr. 1:


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Alle Themen im Überblick:

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• Ärzte Zeitung über einen Rechtsstreit um Anthroposophische Mistelpräparate

• ZDF-Serie über seltene Krankheiten und die Vorgehensweise von „Diagnose-Doc“ Prof. Andreas Michalsen

• Das neue Buch „Raum für Eigensinn“ von Dr. Bettina Berger und die wachsende Bedeutung von Patientenkompetenz

• dpa über Mind-Body Medicine und Selbstheilung

>>> ECIM-Kongress in Berlin: >>>
• Joachim Müller-Jung (F.A.Z.) schildert seine Eindrücke vom 4. Europäischen Kongress für integrative Medizin (ECIM)

• ARD, DAZ, PZ und MZ beleuchten die Leistung homöopathischer Arzneimittel in der Praxis

>>> Reform der Evidenzbasierten Medizin (EbM): >>>
• Phil. Trans. und die Ankunft des Placebo-Effekts in der Wissenschaft

• Umfrage der Uni Magdeburg: Komplementärmedizin in den Medien – Was denken Medizinstudierende?

• Politsekte: soziologische Hintergründe der „Skeptiker“-Bewegung

• Internet-Trolle: vom Elend aber auch den Freuden der Nutzerkommentare

• Gehirnjogging: Kognitives Training mit NeuroNation

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Ärzte Zeitung

Rechtsstreit um Anthroposophische Mistelpräparate

„Endgültiges Aus für die kurative Misteltherapie“ meldete die Ärzte Zeitung kürzlich unter Verweis auf ein aktuelles Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel. „Anthroposophische Mistelpräparate auch weiterhin erstattungsfähig“ korrigiert die Hufelandgesellschaft in einer Pressemeldung. – Worum geht es? Obwohl nichtverschreibungspflichtige Arzneimittel 2004 von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen wurden, können einige Arzneimittel der Besonderen Therapierichtungen (auch der Anthroposophischen Medizin), die bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten, als Ausnahme erstattet werden. 2004 wollte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) adjuvante anthroposophische Misteltherapie jedoch wieder ausschließen. Das damalige Gesundheitsministerium hatte diesen Beschluss jedoch beanstandet. Klagen in erster und zweiter Instanz des G-BA gegen diese Beanstandung gingen verloren. Im Mai 2011 entschied das BSG, dass der G-BA die entsprechende Richtlinie gemäß seiner Auffassung ändern darf. – „Nicht entschieden hat das Gericht über die Wirksamkeit der Mistelpräparate“, betont Hauke Gerlof in einem Kommentar der Ärzte Zeitung. Dieser Hinweis ist korrekt. Es geht hier um einen politischen und weltanschaulichen Streit, nicht jedoch um einen wissenschaftlichen Diskurs. Weitere Informationen:

Misteltherapie: Therapeutische Vielfalt in Gefahr“, PM des Dachverbands Anthroposophische Medizin in Deutschland

Dr. med. Kienle: Forschung zu Mistelextrakten bei Krebs

State of the Art der Forschung:
G. S. Kienle, A. Glockmann, R. Grugel, H. J. Hamre, H. Kiene, Klinische Forschung zur Anthroposophischen Medizin – Update eines „Health Technology Assessment“-Berichts und Status Quo, Forsch Komplementmed 2011;18:4-4 (DOI: 10.1159/000331812)

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ZDF

„Der Diagnose-Doc“

Im normalen Leben ist Prof. Andreas Michalsen Chefarzt am Immanuel Krankenhaus in Berlin, Mitglied des Vorstands der Carstens-Stiftung und – etwas Selbstdarstellung sei erlaubt – wissenschaftlicher Beirat dieses Blogs. Im ZDF-Magazin „Volle Kanne“ ist Michalsen der Diagnose-Doc. Als solcher begleitete er Patientin Ute Bories, die seit zwei Jahren nur unter starken Schmerzen gehen kann und bis zu den Dreharbeiten auf eine richtige Diagnose und passende Behandlung wartete. „Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer seltenen Erkrankung“, heißt es auf der ZDF-Homepage. Gemäß einer in Europa etablierten Definition ist eine Erkrankung „selten“, wenn sie weniger als 5 unter 10.000 Menschen betrifft. Für betroffene Patienten bedeutet eine seltene Erkrankung oftmals eine Odyssee von Wartezimmer zu Wartezimmer. Hier setzt die ZDF-Serie an. Slogan: „Wenn alle anderen längst aufgegeben haben, macht er noch weiter: Andreas Michalsen. Er ist der Diagnose-Doc.“

ZDF.de: „Der Diagnose-Doc“, Eine Patientin – drei mögliche Diagnosen

ZDF-Mediathek: alle Sendungen „Der Diagnose-Doc“

Selbsthilfegruppen für Patienten mit seltenen Erkrankungen

BMBF.de über die Erforschung seltener Erkrankungen
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Buchvorstellung: „Raum für Eigensinn“

Ergebnisse eines Expertentreffens zur Patientenkompetenz

Halten sich Patienten nicht an ärztliche Ratschläge und setzen sie nicht das um, was ihn therapeutisch empfohlen wird, so sprechen Ärzte von „Non-Compliance“. Geringe Therapietreue wird in der Medizin gewöhnlich als Problem wahrgenommen. Speziell bei chronischen Erkrankungen kann „Non-Compliance“ jedoch auch ein Indiz für eine nicht patientengerechte Therapie sein. Auf diese relativ neue Erkenntnis weist Prof. Dr. Peter Heusser von der Universität Witten/Herdecke (UWH) in einem Vorwort des neuen Buchs „Raum für Eigensinn“ von Dr. Bettina Berger (Hrsg.) hin. Der KVC-Verlag über dieses Buch: „Die Steigerung von Patientenkompetenz kann unmittelbar gesundheitliche Erfolge zeigen. „Mehr Raum für Eigensinn“ fordert deshalb Bettina Berger, Initiatorin und Organisatorin einer Tagung zur Patientenkompetenz und Herausgeberin des vorliegenden Buches … Die Forschung wird sich in Zukunft der Aufgabe stellen, die „inneren“ Ressourcen von Patienten zu verstehen und nutzbar zu machen. Soweit jedenfalls die Ergebnisse der Tagung, die in den Beiträgen dieses Bandes von Vertreterinnen und Vertretern aus der Medizin, der qualitativen Sozialforschung, der Biografieforschung, der Frauengesundheit und der Patientenberatung beleuchtet werden.“

Dr. Bettina Berger, Raum für Eigensinn – Ergebnisse eines Expertentreffens zur Patientenkompetenz, KVC Verlag, 2011

Vorwort von Prof. Heusser, Inhalt und Leseprobe (PDF)

Interview mit Dr. phil. Bettina Berger, Wie chronisch Kranke zu kompetenten Managern ihrer Erkrankung werden, DZVhÄ Homöopathie.Blog
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dpa

Mind-Body Medicine und Selbstheilung

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nahm den 4. Europäischen Kongress für Integrative Medizin (ECIM) zum Anlass, einmal die so genannte Mind-Body Medicine (Körper-und-Geist-Medizin) zu thematisieren. – Chronische Erkrankungen verursachen rund 70 Prozent aller Krankheitskosten in Industriestaaten. Trotz aller Fortschritte bietet die moderne Hochschulmedizin chronisch erkrankten Patienten bisher keine kurativen (heilenden) Therapiemöglichkeiten. Etwa 10 Prozent aller Erwachsenen leiden beispielsweise an „Schmerzen ohne körperlich-organischen Befund“. Die konventionelle Medizin kann diese Schmerzen nur pharmazeutisch unterdrücken, Nebenwirkungen und das Risiko von Medikamentenabhängigkeit eingeschlossen. Amerikanische Wissenschaftler der Harvard Medical School vermuten, dass es eine Kausalbeziehung zwischen chronischen Erkrankungen und chronischem Stress gibt. Ihre therapeutische Strategie laut GEO:  „Ernährung, Entspannung und Bewegung, gute Körperwahrnehmung und seelische Stabilität“ sorgen effektiv dafür, dass viele Krankheiten erst gar nicht ausbrechen. „Das klingt unscheinbar – ist aber hierzulande beinahe revolutionär“, stellte Petra Thorbrietz in ihrem GEO-Artikel„Die neue Heilkunst“ fest. dpa fasste wichtige Fakten des Trend-Themas „Mind-Body Medicine“ qualifiziert, verständlich und aktuell zusammen:

dpa-Meldung „Mind-Body Medicine: Yoga statt High-Tech-Operationen“ bei volksfreund.de

Süddeutsche Zeitung, N24 und viele Tageszeitungen übernahmen die dpa-Meldung

Zum gleichen Thema: RTL über „Die Medizin in unserem Kopf“ (von Daniela Halm)
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F.A.Z.

Joachim Müller-Jung über den 4. Europäischen Kongress für integrative Medizin (ECIM)

Joachim Müller-Jung, Redakteur im Feuilleton der F.A.Z. und zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“, hat den von dpa angekündigten 4. Europäischen Kongress für Integrative Medizin besucht – und seine Eindrücke in einem Artikel zusammengefasst. – Müller-Jung beobachtete in Berlin ein „Publikum, das man in seinen Kreisen vor ein paar Jahren noch bestenfalls als medizinische Glücksritter bezeichnet, schlimmstenfalls als Quacksalber den Rücken zugedreht hätte“. Weil Joachim Müller-Jung ein aufmerksamer Beobachter ist, enthält sein kritischer Kongressbericht neben verbalen Sticheleien auch viel Lesenswertes. „Die Schulmedizin kann gut ohne, aber ihr fehlt manches, was gute Alternativmedizin vermag. Einflussreiche Mediziner haben das verstanden und bauen Brücken.“ In einem Kongress-Flyer wären solche Worte leerer Schall. Aus dem Munde von Joachim Müller-Jung klingen sie wie anerkennendes Schulterklopfen.

„Vom Gebot zur alternativen Heilkunst“, Joachim Müller-Jung in der F.A.Z. vom 11.10.2011
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ARD, DAZ, PZ und MZ

Homöopathie im Versorgungsalltag

„Was leisten homöopathische Arzneimittel in der Praxis?“ So lautete das Thema einer Pressekonferenz, welche die in Berlin ansässige Hufelandgesellschaft e.V., der Dachverband der naturheilkundlich und komplementärmedizinisch arbeitenden Ärzte, gemeinsam mit dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (B.A.H.) am 15. September 2011 im Haus der Bundespressekonferenz abhielten. – Vier niedergelassene Ärzte erläuterten an Beispielen aus ihrer täglichen Praxis, welches breite Spektrum an Indikationen sie mit homöopathischen Arzneimitteln behandeln. ARD, Deutsche Apotheker Zeitung, Pharmazeutische Zeitung und Mitteldeutsche Zeitung zeigten anschließend, wie ähnlich aber auch wie unterschiedlich sie die Erfahrungsberichte der Veranstaltung wahrgenommen haben. Ob „Homöopathie kommt an“ (DAZ) oder „Umstrittene Arzneimittel stark verbreitet“ (MZ), das journalistische Echo erinnert an eine Formulierung des Weblogs Informationen zur Homöopathie: „Es gibt nur wenige Therapierichtungen in der Medizin, über die in über 200 Jahren so viel diskutiert und gestritten wurde, wie die Homöopathie. Dabei bewegen sich die Fronten zwischen skeptischer Ablehnung, kritischer Neugier, pragmatischer Anwendung und begeisterter Zustimmung.“

ARD: „Was leistet Homöopathie in der Praxis?“ von Silke Engel

DAZ: „Homöopathie kommt an“ von Kirsten Sucker-Sket und Juliane Ziegler

PZ: „Homöopathie in der Praxis“ von Werner Kurzlechner

MZ: „Umstrittene Arzneimittel stark verbreitet“ von Stefan Sauer
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Philosophical Transactions of the Royal Society

Phil. Trans. und die Ankunft des Placebo-Effekts in der Wissenschaft

„Philosophical Transactions“ (Abkürzung: Phil. Trans. ) ist eine wissenschaftliche Fachzeitschrift, herausgegeben von der britischen Royal Society. Widmet sich die vielleicht älteste Zeitschrift der Wissenschaft dem Thema „Placebo und Placebo-Effekte”, dann ist das schon ein bemerkenswertes Ereignis.
Im Juni veröffentlichte Phil. Trans. eine wissenschaftliche Arbeit mit dem unscheinbaren Titel „Placebo controls: historical, methodological and general aspects“. Was der Autor Prof. Harald Walach hier der wissenschaftlichen Öffentlichkeit präsentierte, das ist ein kleiner Weltbild-Sprengsatz, weil es die etablierten Evidenzkriterien der Evidenzbasierten Medizin (EbM) an ihrem schwächsten Punkt in Frage stellt: Placebo-Effekte werden gewöhnlich mittels randomisierter kontrollierter Studien (RCT) herausgefiltert. Das geschieht mehr schlecht als recht, weil RCTs als „Placebo-Effekt-Filter“ nicht sehr zuverlässig sind. Gleichzeitig zeigt die Forschung im Bereich Komplementärmedizin deutlich, wie mächtig Selbstheilungseffekte sind, die im Zusammenspiel von spezifischen und unspezifischen Faktoren ausgelöst werden. Paradox: Placebo-Effekte können viel stärker als die spezifischen Effekte einer medizinischen Intervention wirken. Ist dies der Fall, so nutzen Therapien mit niedriger Evidenz dem Patienten mitunter mehr als solche mit hoher Evidenz. In seinem „Placebo-Artikel“ schlägt Walach vor, die bisher noch etablierten Evidenzhierarchien durch ein reformiertes Modell zu ersetzen, in dem es nicht mehr absolut „gute“ und „schlechte“ Studien gibt. Stattdessen kommen Studientypen zum Einsatz, die für eine bestimmte Fragestellung geeignet sind. Unter bestimmten Rahmenbedingungen fließen so auch Placebo-Effekte in die Bewertung einer therapeutischen Option ein, vorausgesetzt sie nutzen den Patienten.

Harald Walach, Placebo controls: historical, methodological and general aspects, Phil. Trans. R. Soc. B 27 June 2011 vol. 366 no. 1572 1870-1878

Hintergrund: Harald Walach, Das Wirksamkeitsparadox in der Komplementärmedizin, FoKom 2001;8:193-195

Zum gleichen Thema: Alles Placebo in der Schulmedizin? Interview mit Prof. Dr. Stefan Schmidt von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt Oder
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Universität Magdeburg

Komplementärmedizin in den Medien – Was denken Medizinstudierende?

Erfahrungsmedizin, Komplementärmedizin und CAM-Themen (CAM: Complementary and Alternative Medicine) rücken immer stärker in den Fokus von Fach- und Publikumsmedien. Was Journalisten hier schreiben, das oszilliert zwischen unkritischer Schwärmerei, differenzierter Berichterstattung und ideologisch motivierten Schmähschriften. Wie nehmen Medizinstudierende „CAM in den Medien“ wahr? – Für diese Frage interessierte sich die Universität in Magdeburg. Sie befragte Medizinstudierende ihres fünften Studienjahres und wertete 145 Fragebögen aus, was einer Rücklaufquote von 78,8 Prozent entspricht. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Umfrageergebnisse befindet sich auf der Webseite der Carstens-Stiftung. So viel vorweg: 71,7 Prozent gaben an, bereits über Erfahrung mit der Komplementärmedizin zu verfügen. 74 Prozent bewerteten die Behandlungsergebnisse als gut bis sehr gut. Deutliche Zustimmung zu positiver Berichterstattung zeigte die Mehrzahl der Befragten jedoch nicht. Speziell bei den erfahrenen Studierenden zeigte sich ein Trend zur „Unentschlossenheit“.

Michel Gehrke, „CAM in den Medien – Was denken Medizinstudierende?“, www.carstens-stiftung.de, 17.10.2011
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Mysterien-Faszinierte und Pseudo-Skeptiker

GfA über „Skeptiker-Organisationen“

Wer sich bei Google über CAM-Themen informieren will, der landet nicht zwangsläufig auf der Webseite medizinischer oder wissenschaftlicher Fachkreise. Insbesondere zwei schillernde Laien-Gruppen haben das Web für sich entdeckt: Mysterien-Faszinierte („Esoteriker“) und Mysterien verabscheuende Spötter, die sich selbst „Skeptiker“, „kritische Denker“ oder „Verbraucherschützer“ nennen. – So genannte Skeptiker sind in Wirklichkeit Pseudo-Skeptiker, weil sie „behauptete Anomalien leugnen anstatt sie zweifelnd zu hinterfragen“ (Marcello Truzzi). Der Unterschied zwischen kritischer und ergebnisoffener Hinterfragung und einem negativen Überzeugungssystem ist ihnen nicht bewusst. Band 2 einer Schriftenreihe der Gesellschaft für Anomalistik (GfA) widmet sich der Skeptiker-Bewegung: „Unter der Selbstbezeichung „Skeptiker“ hat sich in letzten zwei Jahrzehnten eine parawissenschaftliche Bewegung formiert, die zum Kampf gegen alles angetreten ist, was sie aus einer weltanschaulich-aufklärerischen Perspektive heraus als „Aberglauben“ empfindet. Diese Studie analysiert einige soziologische Hintergründe.“

Jan Pilgenröder, „‚Skeptiker-Organisationen‘ – eine gesellschaftstheoretische Analyse“, 130 Seiten, ISBN: 978-3-937361-01-7

Hintergrund: Edgar Wunder, „Das Skeptiker-Syndrom“

Zum gleichen Thema: DIE ZEIT (1999): „Die Skeptiker gebärden sich wie eine Politsekte“
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Süddeutsche Zeitung

Vom Elend der Nutzerkommentare

Der Begriff „Troll“ bezeichnet in der Netzkulur Personen, die provozieren, stören, destruktiv um Aufmerksamkeit ringen oder im Internet einfach nur ein Ventil zum freien Ausdruck ihres Lebensfrusts suchen und finden. Ende September schenkte das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung Internet-Trollen endlich die heiß ersehnte Beachtung. – „Eines gibt es, was alle Trolle gemein haben: Sie geben nicht auf. Der durchschnittliche Troll liefert zehnmal so viel Textmenge wie ein gewöhnlicher Journalist. Und die Qualität seiner Arbeit ist, trotz allen Gerüchten, oft nicht schlechter als die eines etablierten Journalisten.“ Mit diesen Worten schildert der Journalist Leo Lagercrantz, ehemals Redakteur der schwedischen Abendzeitung Expressen, seine Erfahrungen mit anonymen Kommentatoren, die mit großem Energieaufwand gegen Ausländer, Schwule, Muslime etc. etc. wettern. – Doch vorsicht, es gibt auch eine Trollerei von oben, die Trolle unten züchtet, sagt Rainer Meyer alias Don Alphonso: „Die Arroganz der Meinungsführer, die Dreistigkeit von Ahnungslosen, die nicht mehr als eine Pressemitteilung kennen, anderen vormachen zu wollen, was Sache ist. Das regt dazu an, diesen Leuten mal die Meinung zu sagen, zumal, wenn sie nachweislich falsch liegen und das ignorieren.“

SZ: „Meinung im Internet – Vom Elend der Nutzerkommentare“, von Leo Lagercrantz

F.A.Z.: „Von den Freuden der Nutzerkommentare“, von Rainer Meyer alias Don Alphonso

Konstruktive Kritik:
taz: „Vom Wutbürger zum Mutbürger“, von Nadine Michel
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Zum guten Schluss

Kognitives Training mit NeuroNation

Gehirnjogging hält unsere grauen Zellen jung und fit, sagen die Anbieter diverser Trainingsprogramme. Gehirnjogging bewirkt keine allgemeine Verbesserung der Hinleistung, sagen die Macher einer Online-Studie des Medical Research Councils der Universität Cambridge. – Gehirnjogging kann die allgemeine geistige Fitness sehr wohl verbessern, wenn es bestimmte Spielregeln beachtet, lautet das Fazit der Cogito-Studie von Florian Schmiedek, Martin Lövdén und Ulman Lindenberger. Diesen hohen Anspruch erheben auch die Jungunternehmer Ilya Shabanov und Rojahn Ahmadi, Gründer der Plattform und Community NeuroNation für kognitives Training. Im Zentrum von NeuroNation stehen 35 Übungen der Kategorien Rechnen, Logik, Gedächtnis, Sensorik und Sprache, die alle dem Ziel dienen, die Gehirnleistung nachhaltig zu verbessern. Was hebt NeuroNation von marktüblichen Produkten ab? Ein soziales Netzwerk ermöglicht das spielerische Trainieren mit oder gegen andere. „Durch eine genaue Fortschrittskontrolle lassen sich die Fortschritte festhalten und auswerten“, erklärt die Pressemappe des Start-ups. NeuroNation wirbt mit einer Verbesserung von Gehirnleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit und sieht NeuroNation auch als Präventionsmaßnahme zum Schutz vor Demenz und Alzheimer.

www.neuronation.de: „Für ein starkes Gedächtnis und einen konzentrierten Geist.“

Was erreicht man mit kognitivem Training? Prof. Dr. Michael Falkenstein im Interview

„Gute Gründer für Berlin“, Beilage im Tagesspiegel, 10.04.2011

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