Über dieses Blog

Ein Blog für Medizin- und Wissenschaftsjournalisten

CAM Media.Watch ist ein Blog für Journalistinnen und Journalisten, die einen Blick hinter die Kulissen der wissenschaftlichen Erforschung von Naturheilverfahren, Komplementärmedizin sowie unkonventioneller Verfahren werfen wollen. Wer genau erforscht hier was mit welchen Ergebnissen und forschungsmethodischen Herausforderungen? Warum werden identische Daten von einzelnen wissenschaftlichen Fraktionen unterschiedlich interpretiert? Diese Fragen sollen hier speziell für Journalisten beantwortet werden. CAM Media.Watch will Redaktionen darüber hinaus Feedback geben – gut gemachte Medienbeiträge zum Thema „Komplementärmedizin & Forschung“ vorstellen sowie Missstände klar und deutlich ansprechen. Dabei wird ein spannender Rollentausch angestrebt: Wissenschaftler und Forscher rezensieren die Arbeiten von Journalisten. Dank Internet und Google geschieht dies nicht im stillen Hintergrundgespräch sondern in der breiten Öffentlichkeit.

CAM: Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung

Komplementärmedizinische Therapieverfahren finden in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und sind auch unter niedergelassenen Ärzten weit verbreitet. Ca. 60.000 Ärztinnen und Ärzte haben eine Weiter- oder Ausbildung in Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur oder Chirotherapie absolviert. In wissenschaftlichen Publikationen hat sich für diese Therapiekonzepte der Begriff Complementary and Alternative Medicine (CAM) durchgesetzt. Im deutschen Sprachgebrauch sind Begriffe wie z. B. „Naturheilverfahren“, „Komplementärmedizin“ oder „unkonventionelle Verfahren“ und „Regulationsmedizin“ üblich. Von „Ganzheitsmedizin“ sprechen jene Kreise, die sich von der starken Symptomorientierung des medizinischen Mainstreams abgrenzen wollen.

CAM und Wissenschaft – ist das nicht ein Widerspruch?

Viele CAM-Verfahren kommen aus der „Erfahrungsheilkunde“. Sie haben sich irgendwann einmal durchgesetzt, weil Heiler, Therapeuten, Ärztinnen und Ärzte gute Erfahrungen mit ihnen machten. Sie wurden jedoch lange Zeit nicht wissenschaftlich hinterfragt und untersucht. In den letzten 20 Jahren hat sich auf dem Gebiet der komplementärmedizinischen Forschung jedoch sehr viel getan. Große und hochwertige Studien wie z. B. die german acupuncture trials (gerac) kamen zu verblüffenden Ergebnissen. CAM-Verfahren können etablierten schulmedizinischen Behandlungsansätzen (speziell bei chronischen Erkrankungen) deutlich überlegen sein oder sie sinnvoll ergänzen. Ihre besondere Stärke entwickeln sie allerdings oftmals erst dann, wenn sie Bestandteil eines Gesamtkonzepts sind, zu dem weitere Bausteine gehören: Lebensstil, innere Einstellung und Erwartungshaltung, Arzt-Patienten-Interaktion, Ernährung, Bewegung u.v.a.

Zwischen Mystifizierung und Schmähung

Die öffentliche Wahrnehmung von CAM-Therapieverfahren schwankt zwischen unkritischer Mystifizierung und unreflektierter Schmähung. Wissenschaftlerinnen wie z. B. Prof. Dr. med. Claudia M. Witt (orientiert am Leitspruch der Cochrane Collaboration: „In God I trust, everyone else has to show data“) haben daher einen schweren Stand. Irgendeine Seite lässt immer Emotionen und Frust ab – mal weil Daten „zu vorteilhaft“ und mal weil Daten „zu negativ“ ausfallen. Bei den alten Griechen wurden die Überbringer schlechter Nachrichten bestraft. Rund um die komplementärmedizinische Forschung haben auch die Überbringer guter Nachrichten einen schweren Stand. Hinter diesem Phänomen steht nicht zwangsläufig böser Wille oder Dummheit. In der Bevölkerung und selbst in der Wissenschaft stehen sich vielmehr gegensätzliche Paradigmen und Denkmodelle (z. B. monokausale Symptomorientierung versus Salutogenese) gegenüber, deren Anhänger keine gemeinsame Sprache sprechen.

CAM und Journalismus – eine schwierige Beziehung?

Aus Sicht von Wissenschaftlern entsteht mitunter der Eindruck, dass insbesondere Leitmedien diese Entwicklung weitgehend verschlafen haben. SPIEGEL, ZEIT und SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schmähen CAM-Verfahren regelmäßig und genüsslich und bedienen oftmals nur Vorurteile und Klischees. Mancher Journalist lässt ein Wissenschaftsbild erkennen, das ungefähr um die Zeit von 1950 stehen geblieben ist. Fixiert auf medizintechnische Innovationen, Gentechnik, moderne Analyse- und Diagnosemethoden etc. wird leicht übersehen, zu welchen Wundern das „System Mensch“ fähig ist, wenn es durch Impulse sanft zur Selbstregulation angeregt wird. Die komplementärmedizinische Forschung untersucht die Therapiesicherheit, Wirksamkeit und Kosteneffektivität entsprechender Verfahren auf wissenschaftlicher Basis. Für viele Konzepte gibt es jedoch keine Forschung und für manche auch nur eine negative Evidenz.

Die bunte Welt der Naturheilkunde, Komplementärmedizin und unkonventionellen medizinischen Richtungen hat – wie die moderne Hochschulmedizin auch – sowohl helle als auch dunkle Seiten. Weder blumige Lobeshymnen noch investigative Schmähschriften werden dieser Komplexität gerecht. Guter Journalismus erfordert im Kontext CAM die Bereitschaft und Fähigkeit, sich mit dem Kleingedruckten auseinanderzusetzen und verschiedene Perspektiven einnehmen zu können. Dabei will CAM Media.Watch helfen. Eine kritische und unabhängige Reflexion der Inhalte dieses Blogs ist ausdrücklich erwünscht.

Was mit einer „kritischen Reflexion“ genau gemeint ist, das erläutert u.a. der Blogbeitrag „Journalismus und wissenschaftliche Kontroversen: Mehr Überblick und Hintergrund statt nur Diskursfragmente“ anhand konkreter Beispiele aus der journalistischen Praxis.

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Weitere Informationen über dieses Blog

Interview: Warum CAM Media.Watch? Claus Fritzsche gibt Auskunft über sein neues Blog. „Komplementärmedizin in den Medien, kritisch rezensiert.“

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Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach

Der klinische Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker Harald Walach ist Professor für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Walach ist Chefredakteur des renommierten Journals Forschende Komplementärmedizin und gilt in Fachkreisen als Forscherpersönlichkeit mit einem exzellenten internationalen Ruf. Er wird in der amerikanischen Zeitschrift „Explore“ (Vol. 3, No. 3, 2007), von ihrem Executive Editor, Larry Dossey, als „einer der herausragendsten europäischen Forscher auf dem Gebiet der Komplementär- und Alternativmedizin“ bezeichnet. Sein internationales Ansehen auf dem Gebiet der CAM-Forschung zeigt sich u.a. darin, dass er Gründungsmitglied und Past-Präsident der „International Society for Complementary Medicine Research“ ist – einer internationalen Fachgesellschaft, in der mehr als 250 aktive Forscher zusammengeschlossen sind.

Curriculum Vitae (PDF)Publikationen (PDF)

Masterstudiengang „Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde” (KMKH)“ an der Europa-Universität Viadrina

Leseprobe: „Weg mit den Pillen!“ – Selbstheilung oder warum wir für unsere Gesundheit Verantwortung übernehmen müssen

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Prof. Dr. Stefan Schmidt, Dipl. Psych.

Der Psychologe Stefan Schmidt lehrt an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Komplementärmedizin für approbierte Ärzte. 2010 trat Schmidt dort eine Stiftungsprofessur für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften an. Diese ist dem Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) zugeordnet und unterstützt den Master-Studiengang „Komplementäre Medizin, Kulturwissenschaft, Heilkunde“. Gleichzeitig leitet er am Universitätsklinikum Freiburg die „Akademische Sektion Komplementärmedizinische Evaluationsforschung“ am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene. Dort hat er die Forschungsgruppe „Meditation, Achtsamkeit und Neurophysiologie“ gegründet und sich in diesem Rahmen zuletzt vor allem mit dem Einfluss von Meditation und Achtsamkeit auf Gesundheit beschäftigt. Er ist Initiator des Netzwerks Achtsamkeitsforschung und hielt zuletzt eine Teilzeitprofessur an der Universität Utrecht zur Bewusstseinsforschung inne.

Curriculum Vitae (PDF)Publikationen (HTML)

„Lernen, mit dem Leiden umzugehen“, Interview von Ulrich Schnabel mit Stefan Schmidt, DIE ZEIT, 12.02.2011

Universitäts-Klinikum Freiburg, Presse- und Medienseite

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Prof. Dr. med. Andreas Michalsen

Der Mediziner Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Internist und Inhaber einer Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde an der Charite-Universitätsmedizin Berlin. Außerdem ist er Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde an der Klinik für Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus Berlin. Professor Michalsen hat international und national zahlreich publiziert und ist u. a. Mitglied des Dialogforums für Pluralismus in der Medizin an der Bundesärzteammer sowie Vorstandsmitglied der Hufelandgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde. Andreas Michalsen ist u. a. Redakteur der peer-reviewed Journale Forschende Komplementärmedizin und Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Seine Forschungsschwerpunkte sind klinische Studien zu den Bereichen traditionelle Europäische und Asiatische Medizin, gesundheitsfördernde Lebensstilmodifikation und Mind-Body Medizin.

Curriculum Vitae (PDF)Publikationen (PDF)

Immanuel Krankenhaus Berlin – Forschung Naturheilkunde

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen in „Yoga – gut fürs Herz“, NDR Fernsehen (23.03.2010)Video der Sendung

ZDF-Serie: Prof. Andreas Michalsen ist „Der Diagnose-Doc“

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Dr. med. Stefan Weinschenk

Der Mediziner Dr. med. Stefan Weinschenk ist Zytologe mit eigenem Labor und niedergelassener Frauenarzt in Karlsruhe; Lehrbeauftragter für Neuraltherapie und Regulationsmedizin an der Universität Heidelberg und aktives Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Internationalen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH) e.V. In seiner Funktion als Lehrbeauftragter der Universitätsfrauenklinik Heidelberg für Neuraltherapie und Regulationsmedizin betreut er unter anderem Doktoranden der Universität Heidelberg im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte und hält regelmäßig Vorlesungen. Dr. med. Stefan Weinschenk ist Herausgeber von zwei Fachbüchern: „Naturheilkunde und Umweltmedizin in der Frauenheilkunde“, Bd. 2, Hippokrates-Verlag, Stuttgart 2001 und „Handbuch Neuraltherapie“, Elsevier-Verlag, München 2010. Er publiziert regelmäßig in der Fach- und Publikumspresse. Seine Schwerpunkte sind Dysplasie-Sprechstunde, Naturheilverfahren, Schmerzsprechstunde, Chronische Erkrankungen und Stress-Prävention.

Gemeinschaftspraxis Weinschenk, Scherer und Marbach

Neuraltherapie an der Universität Heidelberg (Forschung und Lehre)

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Dr. phil., Dipl. Psych. Corina Güthlin

Die Psychologin Dr. Corina Güthlin leitet seit 2008 den Arbeitsbereich Forschungsmethodik und Projektmanagement in der Allgemeinmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in den Bereichen Forschungsmethoden der Versorgungsforschung, Projektmanagement in der Wissenschaft, Fragebogenkonstruktion, Mixed Methods Research und Evaluation von Komplementärmedizin. Zwischen 1996 und 2008 war Corina Güthlin in unterschiedlichen Projekten der wissenschaftlichen Untersuchung von Komplementärmedizin an der Universität Freiburg tätig und leitete hier auch die Sektion komplementärmedizinische Evaluationsforschung. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) und begleitet dort die wiss. Aufbereitung komplementärmedizinischer Publikationen für Allgemeinmediziner und gehört zum Board of Directors der International Society of Complementary Medicine Research (ISCMR), deren Schriftführerin sie zwischen 2006 und 2008 war. Heute ist sie in der Lenkungsgruppe der Europäischen Abteilung dieser Gesellschaft.

Curriculum Vitae (PDF)Publikationen (HTML)

„Wissenschaftskommunikation oder: Wie patientenorientiert ist die komplementärmedizinische Forschung?“, FoKom 2007

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Dr. phil. Bettina Berger

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Bettina Berger ist Studienkoordinatorin am Gerhardt Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin der Universität Witten/Herdecke. Sie hat an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaften studiert und bei Univ.-Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser an der Universität Hamburg in den Gesundheitswissenschaften promoviert. Von 2006 bis 2008 war Dr. Bettina Berger wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsversorgungsforschung an der Universität Bremen bei Prof. Norbert Schmacke. Hier führte sie u.a. qualitative Studien im Bereich Gesundheitsversorgungsforschung durch. Von Oktober 2008 bis Oktober 2009 baute Dr. Bettina Berger als Studiengangskoordinatorin den Masterstudiengang „Komplementäre Medizin Kulturwissenschaften, Heilkunde“ an der Europa-Universität Viadrina auf. Heute liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit in den Bereichen Studienkoordination (Komplementärmedizin an der UWH), Qualitative Forschung, Versorgungsforschung, wissenssoziologische Fragestellungen, Patientenkompetenz und informierte Entscheidungsfindung, Patientenschulungen und evidenzbasierte Patienteninformation.

Curriculum Vitae und Publikationen (HTML)

„Raum für Eigensinn, Ergebnisse eines Expertentreffens zur Patientenkompetenz“, Bettina Berger (Hrsg.), KVC Verlag 2011

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Redaktion

Claus Fritzsche

Claus Fritzsche wurde 1964 in Marl, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach Abschluss eines BWL-Studiums und langjähriger Tätigkeit in der Industrie (Vertrieb & Marketing) arbeitet er seit 2003 als freier Texter und seit 2009 als Medizin- und Wissenschaftsjournalist. Sein Markenzeichen: hoch komplexe Sachverhalte leicht verständlich auf den Punkt bringen. Als Medizin- und Wissenschaftsjournalist hat er sich auf die Themen Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht, Komplementärmedizin und Forschung sowie Grenzbereiche der Psychologie spezialisiert. Claus Fritzsche ist Redakteur des Neuraltherapie.Blog der Internationalen Gesellschaft für Neuraltherapie (IGNH) sowie Autor des DZVhÄ Homöopathie.Blog des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Er ist Initiator von CAM Media.Watch und fungiert hier als Chefredakteur, der Forscher um Reviews bittet, Fachwissen leicht verständlich aufbereitet, einen Großteil der Beiträge verfasst und Artikel von Gast-Autoren redigiert. Sein übergeordnetes Ziel ist es, die komplexe Welt der komplementärmedizinischen Forschung verständlich zu machen und Wissenschaftlern eine öffentlich wahrnehmbare Stimme zu geben.

→ Homepage: CAM Redaktionsbüro von Claus Fritzsche

→ Homepage: Textagentur von Claus Fritzsche

→ Interview: Warum CAM Media.Watch? Claus Fritzsche gibt Auskunft über sein neues Blog.

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Finanzielle Förderung

CAM Media.Watch wurde im Zeitraum 2011 bis 31.12.2012 von sechs Arzneimittelunternehmen aus dem Bereich Homöopathie und Anthroposophische Medizin mit einem mittleren fünfstelligen Euro-Betrag finanziert gefördert. Siehe hierzu auch:

30.12.2012: In eigener Sache: eine Zwischenbilanz des Blogprojekts CAM Media.Watch

16.08.2011: Interview: Warum CAM Media.Watch? Claus Fritzsche gibt Auskunft über sein neues Blog. „Komplementärmedizin in den Medien, kritisch rezensiert.“

Tag: Transparenz in eigener Sache

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